Das Zimmer im Freien

aus der Rubrik Tipps vom 21.07.2011
Hängematten

Im Sommer werden sie zum erweiterten Wohnzimmer oder zur zweiten Küche. Sie sind unterschiedlich groß, unterschiedlich hell, unterschiedlich möbliert - doch grün sollen sie alle sein und wer einmal eins hatte, möchte es nicht mehr missen. Balkon, Loggia oder Terrasse vergrößern in der warmen Zeit als saisonales Zimmer jede Wohnung. Für jeden Balkon gibt es die passende Einrichtung, wenn man ein paar basics beachtet. Einzig wichtig für Möblierung und Bepflanzung von Balkonen ist die Himmelsrichtung.

Der Südbalkon...

... ist hell und heiss. Wenn die Sonne scheint, dann scheint sie hier den ganzen Tag. Im Hochsommer eine Herausforderung für Mensch und Pflanze! Unabdingbar für angenehme Stunden ist ein Lichtschutz. Das kann ein Sonnenschirm sein, eine Markise, Jalousien aus Naturmaterial oder ein Sonnensegel. Sinnvolle Möbel sind da außerdem Sonnenliege oder Hängematte. Auf dem Boden sind Holzfliesen oder Teppiche aus wetterfesten Material angenehm - gerade für nackte Füße. Steinplatten sind zwar gut zu reinigen, im Outdoorbereich jedoch kühlen sie nicht, sie heizen sich vielmehr schnell auf und geben noch lange Wärme ab.

Auf dem Südbalkon fühlen sich die Pflanzen am wohlsten, die aus ihrer Heimat sonnenverwöhnt sind. Faustregel: je dicker und heller die Blätter, desto besser verträgt die Pflanze selbst flimmernde Stadt-Mittagshitze.
Mediterrane Atmosphäre verbreiten Olivenbäumchen oder Oleander, exotisches Flair schaffen Kakteen und Sukkulenten. Für Kräuterliebhaber ist der Südbalkon perfekt: Rosmarin, Salbei, Thymian oder duftender Lavendel gedeihen ausgezeichnet. Selbstgezogene Pflanzen aus Samen haben aber auch gute Überlebenschancen, denn sie können sich von "klein an" an die extremen Bedingungen gewöhnen, brauchen aber dennoch intensive Pflege. Einfach mal ausprobieren, wie weit die Gärtnergeduld reicht. Richtig giessen ist vor allem auf dem Südbalkon wichtig. Ausreichend, aber nicht zu häufig, und vor allem abends, sonst dunstet das Wasser sofort wieder aus. Abendliches Besprühen danken Südbalkonpflanzen mit einem Aufatmen und glücklichem Blätterwedeln.

West- und Ostbalkone...

...sind genau richtig für Frühaufsteher (Ostbalkon) oder Feierabendkaffeetrinker. Sonnenschutz ist nicht vonnöten, eine gemütliche Sitzecke wird auf dem Ost/West-Balkon sicher auch tagsüber gern genutzt. Pflanzen bekommen nur den halben Tag Sonne, deswegen sind hier Gewächse, die den Halbschatten mögen, gut aufgehoben. Große Gefäße mit einem Erdgemisch, dass wasserspeichernde Tonkugeln enthält, sparen so manche Kannenschleppaktion.
 

Wer viel Platz hat, kann mit Hibiskus- oder Pfeiffensträuchern einen kleinen Wald schaffen. Auf kleinen Balkone jedoch zählt jeder Quadratzentimeter Boden, hier ist Hängen angesagt. Es muss ja nicht die Plastikampel aus dem Baumarkt sein! Mit kleinen Wandregalen, in Kästen (nach außen!) oder in Miniaturgärten auf dem Tisch kann sich der Hobbygärtner auch auf wenig Raum verwirklichen. Blumentöpfe brauchen im Freien große Öffnungen im Boden, damit sich bei Regen keine Nässe stauen kann. Holzgefässe, selbst Körbe können bepflanzt werden, wenn man sie vorher mit einem umweltverträglichen Holzschutzmittel behandelt. Für alle Freiluftzimmer gilt: Mobile Leuchten wie Windlichter, Öllampen oder Solarleuchten schaffen abends die richtige Stimmung. Die obligatorische Wand- oder Weglampe ist schön praktisch gegen Rumstolpern im Dunkeln, gehört aber unbedingt ausgeschaltet an gemütlichen Sitzabenden.

Der Nordbalkon...

... ist schattig, aber gemütlich. An heissen Tagen wird mensch für die entspannende Oase beneidet. Für Pflanzen ist es eher schwierig. Die Faustregel für Nordbalkone lautet: je mehr dunkle große Blätter eine Pflanze hat, umso besser kommt sie mit wenig Licht aus. Im Schatten verdunstet das Wasser weniger gut, mit Feuchtigkeitsfans wie Farnen, Gräsern oder sogar Teichpflanzen kann man gut experimentieren. Klassiker wie Hortensien oder Begonien machen noch aus einem Nordbalkon eine grüne und sogar blühende Insel, Fuchsien sind fast nicht tot zu kriegen und daher optimal für Nordbalkone.

Bei der Möblierung sollte man unbedingt beachten, dass Möbel auf einem Nordbalkon nie richtig trocknen können. Naturmaterialien sind hier eher nicht geeignet, Metall oder Polyrattan eine schöne und praktische Alternative. Wie auf dem Südbalkon eignen sich auch hier am besten temperaturneutrale Naturbeläge wie Holzfliesen oder Bastmatten. Behaglichkeit schafft ein preiswerter Flickenteppich. Der hält auch länger als nur eine Saison, wenn man ihn regelmäßig wäscht und durchtrocknet.

Doch egal, welche Himmelsrichtung; kein Balkon garantiert schönes Wetter. Die Investition in einen stabilen und hochwertigen Regenschutz kann sich daher wirklich lohnen. Dann klappt´s auch bei Regen mit dem Kaffee im Freien.
 
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